thewritingfranz

11 Jan, 2008

Antigone von Sophokles

— geschrieben von thewritingfranz @ 19:57

Mein Lieblingstheaterstück ist Antigone von Sophokles. Ich erwähne dieses Stück in der Rubrik "Bücher", weil es sich dabei um ein Theaterstück handelt, dessen wunderbarer Text nicht nur gesprochen seine Wirkung entfaltet, sondern sich auch zum Lesen vorzüglich eignet. Man soll ihn immer und immer wieder lesen. Nur beim mehrmaligen Lesen erfährt man wie sorgfältig der alte Grieche seine Worte wählte und wie in Kürze ein Lebensdrama geschildert werden kann, wofür andere tausend Seiten bräuchten. Ich führe die Antigone heute an, weil es sich um ein zeitloses Thema handelt: Wonach soll ich handeln? Nach dem göttlichen Recht und der Moral in mir oder nach dem weltlichen, geschriebenen Recht? Das beste Beispiel dafür sind die mutigen Bürger, die sich auf die Seite von Flüchtlingen stellen, die trotz Integration aus Österreich ausgewiesen werden sollen und damit dem moralischen Gesetz in ihnen folgen und das geschriebene Recht als das sehen, was es ist, nämlich als schlecht und menschenunwürdig. Antigone erhängte sich zum Schluss, der Staat in Form des Königs Kreon war für sie zu übermächtig.

Aber vergessen wir nicht: Am Schluss ist es auch Kreon, der alles verliert was er liebt. So könnte es auch passieren, dass unsere Politiker, die ein schlechtes Gesetz über laut verkündete Werte wie christliche Soziallehre oder den Sozialismus schlechthin stellen, das verlieren, was sie lieben, nämlich Wählerstimmen und den lukrativen Job. So mancher Schwarze wird dann rot vor Ärger werden, so manch Roter wird sich schwarz ärgern. Die Blauen werden blau bleiben, das ist für sie schlimm genug.


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